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Post verweigert Quittungen

26.10.2016

Ist es Ignoranz, Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit - oder war der Hausservice von Anfang an nur als mittelmässige Übergangslösung gedacht?

Sämtliche Kunden der schweizerischen Post, welche vom Hausservice bedient werden, sind von einer kritischen Situation betroffen: Die Post verweigert das Ausstellen einer Quittung im Moment der Mitnahme von Einschreibesendungen, Paketen, Bargeld.

Die Folgen davon können nicht nur unangenehm, sondern auch schädigend sein. Ein Einschreibebrief beispielsweise wird bei Mitnahme durch den Hausservice gar nicht erfasst: Er landet erst mal im Kistchen und wird dann auf der Hauptpost mehr oder weniger zuverlässig weiterverarbeitet. Er ist somit - trotz teurer Frankatur - weder gegen Verlust und falsche oder verspätete Zustellung versichert, noch kann dem Empfänger gegenüber eine fristgerechte Aufgabe und somit Zustellung bewiesen werden. Der Brief ist ausserdem zunächst nicht im Sendungsverfolgungstool im Internet auffindbar. Schreiben Sie also an Gericht, Amt, Geschäftspartner, Lieferant, Vermieter usf., haben Sie auf jeden Fall sämtliches Risiko auf Ihrer Seite.

Wie im konkret vorliegenden Fall kann es offensichtlich auch passieren, dass die Post den Brief tags darauf kommentarlos in einem Plastikbeutel wieder an den Absender retourniert, anstatt dass sie ihn dem Empfänger fristgerecht zugestellt hätte. Mit retourniert wurde auch das Bargeld, welches für die Frankatur bereitgelegt war. Der Brief war absolut korrekt adressiert, und er wurde auch nicht beschädigt.

Jetzt beweisen Sie

a) der Post, dass ein Fehler vorliegt

b) dem Empfänger, dass er eigentlich schon im Besitz des Briefes sein sollte.

Zu a): Da der Brief bei Mitnahme nicht mit einem selbstklebenden Strichcode versehen wurde, konnte er vom Zustellboten auch nicht mittels Scanner erfasst werden. Somit schwebt der Brief im Niemandsland. Schadenersatzansprüche sind vollkommen unmöglich - sehr zur Freude der Post.

Zu b): Wenn Sie den Brief doch noch fristgerecht zustellen wollen, erstellen Sie den Inhalt des Briefes neu, organisieren dann entweder einen kostenpflichtigen Kurierdienst oder fahren selbst durchs halbe Land und stellen den Brief persönlich zu.

Zum einen ist die Post in vielen Gegenden seit Jahren unerreichbar, jedenfalls innert nützlicher Frist. Zum anderen bekommt man, stellt man Schadenersatzansprüche, allen Ernstes ein Argumentarium serviert, das durchgehend dem Stand eines dreieinhalbjährigen Kindes entspricht. Offenbar sind wichtige Positionen im bundesnahen Betrieb zwar teuer, aber schwach besetzt.

Jeder Geschäftskunde der Post erhält auf Wunsch für den briefmarkenfreien Versand seiner Pakete vorgedruckte Strichcodes, die vollkommen individualisiert sind. So kann die Sendung mit Lesegeräten erfasst und über Monatsrechnung verrechnet werden: Eine geniale Sache, die bequemer nicht mehr sein könnte. Mit dieser vorhandenen Technik soll es aber angeblich jedoch absolut unmöglich sein, den Hausservice mit einem kleinen Vorrat an entsprechenden Klebern auszustatten - so jedenfalls die Ausrede des Post-Kundendienstes.

Obwohl der Vorfall von der Post bestätigt und beschrieben wurde, verweigert die Post Schadenersatz, weil "kein Nachweis einer Sendungsaufgabe vorhanden ist".

Die Post - sagen wir mal - ‚verliert’ einen Einschreibebrief, sieht sich aber nicht schadenersatzpflichtig, da sie sich weigert, Einschreibesendungen bei Mitnahme zu erfassen. Die schweizerische Post muss somit klar als Geschäftsrisiko und als nicht vollwertiger, mühsamer Dienstleister gesehen werden. Die schweizerische Post pfuscht dem Werkplatz Schweiz ins Handwerk und steht damit symptomatisch für einen Zeitgeist, der die Allgemeinheit opfert für privaten Profit.

Das ist allerdings nicht alles - denn noch fehlt die volkswirtschaftliche Betrachtungsweise. An dieser scheinen aber weder Bundesrat noch Postmanagement irgendwelches Interesse zu haben: Schliesslich geht es um Gewinnoptimierung (verkappte Steuern) und nicht mehr um Servicebereitschaft oder Volkswirtschaft.

Wer als Post"kunde" also diese Risiken vermeiden will und auf eine funktionierende Postzustellung angewiesen ist, setzt sich ins Auto, Bus (besonders toll mit mehreren sperrigen Paketen) oder Taxi und fährt ins nächste oder übernächste (wenn die nächstliegende Filiale an einem normalen Werktag geschlossen hat) Dorf und gibt die Sendung selber auf. Zum einen ist diese Zeitverschwendung ein volkswirtschaftlicher Schaden sondergleichen. Zum anderen wird die Umwelt ausserordentlich belastet, da jeder betroffene Postkunde eine Extratour fährt. Umweltschutz interessiert aber in höheren Chargen ebenfalls niemanden ernsthaft. Oder müssen sich die Postkunden in jedem Dorf organisieren und selber eine eigene kleine Annahme- und Verteilzentrale einrichten, um Postsendungen in Eigenregie gebündelt abzuwickeln?

Die Verweigerung von Quittungen hat für die Post also folgende Vorteile:

- Ersparnis von Zeit und somit Personalkosten.

- Ersparnis von Schadenersatzforderungen, weil der Brief ja nie erfasst wurde.

- Erlangen eines Klima-Labels - denn von nun an fährt der Post-Nichtkunde selber in der Weltgeschichte herum und belastet diese.

Die Post bewirtschaftet ein sensibles und zentrales Gebiet: Bestimmte Einsparungen wirken deshalb mittels Hebeleffekt negativ auf die gesamte Volkswirtschaft. Was auf diese Art vermeintlich eingespart wird, verursacht in der Wirtschaft ein Vielfaches an Schaden. Diese übertriebene Form von Sparerei ist etwa zu vergleichen mit einem Landwirt, der aus Kostengründen letztlich alles Futter für seine Kühe abschafft mit dem grossartigen Erfolg, dass sie eingehen.

Da die betroffenen Postkunden 'selber fahren', wird die Nutzung des Hausservices 'zufälligerweise' zurückgehen und die Post kommt so zu den Frequenzzahlen, die belegen, dass es letztlich gar keinen Hausservice mehr braucht.

Es reicht offenbar nicht, dass die Überlebensbedingungen für die arbeitende Bevölkerung und das Gewerbe ohnehin schlechter geworden sind: Es scheint ein übergeordnetes Interesse zu geben, dass die Schweiz zu einem Schwellenland zurückgebaut wird. Bloss damit sich einige wenige bereichern können.

Wenn jeder von uns nur noch jene Tätigkeiten ausüben würde, die ihm wirklich reichlich Bares auf die Hand generieren: Familien, Vereine, soziale Bereiche, Nachbarschaftshilfe und anderes mehr würden sofort stillgelegt und zusammenbrechen. Schweizer Regierung und Konzernchefs verstehen da also was falsch: Die Eidgenossen hatten sich damals nicht zusammengeschlossen, damit jeder seinen eigenen Säckel füllen kann. Der Zusammenschluss geschah aus solidarischen und taktischen Gründen. Diese Werte gelten im neokapitalistischen Ego-Zeitalter leider immer weniger.

 

26. September 2016

 
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