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Klima-Workshop

07.06.2019

Die Verschlagwortung "Taten statt Worte" würde unterstellen, dass Klima-Bewegte nichts tun.

Eine to-do-list für echte Aktive.

Über die Klima-Bewegung habe ich meine eigene Meinung. Doch bei etlichen Mitmachern darf man von einer aufrichtigen Motivation ausgehen. Bloss liegen Ziel und Weg meist ziemlich im Nebel.

Dieser Slogan "Es gibt viel zu tun. Packen wir's an. Esso." war wahrscheinlich etwas anders gedacht als im Sinne von Umweltschutz. Passt aber immer. Genauso wie "Ford. Die tun was".

Wie man erfolgreich Pendenzen abarbeitet, dürfte mittlerweile in den Schulen gelehrt werden. Und die 80/20-Methode kennt man auch: In 80% der Zeit die 20% erledigen, die einen noch gerade so interessieren... Damit man nicht Opfer einer selbstauferlegten Verzettelung wird, muss man somit Strukturen definieren.

Ferner benötigt man ein Konzept. Das kann auch einfach - wie im Jungschar-Lager - bedeuten: Wer macht was.

Und vorweg: Wer die Welt positiv verändern will, braucht ordentlich Puste. Das ist kein Ding von einem einzigen Tag.

So, wenn man diese Dinge in Griffweite hat, kann es losgehen. Man sucht sich Themen und legt sie sich zurecht. Man beginnt mit einfachen, leicht nachvollziehbaren und wenig komplexen Themen. Es hat kaum Sinn, mit der Klimagemeinde wegen der Berechnung der IR-Absorbtion von CO2-Molekülen und der Sättigung zu streiten. Suchen wir uns etwas Einfacheres, Praktischeres. Es muss auch nicht direkt mit Klima-, sondern einfach "nur" mit Umweltschutz zu tun haben.

Beispiel 1:

Seit Jahrzehnten störe ich mich an den Karton-Versandpackungen. Damit die Packkosten möglichst tief werden (und jemand Millionär wird), verwendet die Industrie Pakete, die vollautomatisch zugeklebt werden. Kommt das Paket bei mir zu Hause an, kann es unmöglich zerstörungsfrei geöffnet werden. Die Schachteln kommen bei mir meistens an wie aus dem Ei gepellt: Sie könnten also noch etwa zweimal weiterverwendet werden. Geht aber nicht, weil ich sie aufreissen oder aufschnippeln muss. Anschliessend kommt sie in den Müll. Bestenfalls ins Recycling.

So eine Kartonschachtel wiegt vielleicht 250 Gramm. Bei Millionen und Milliarden von Paketen jährlich gibt das 'zigtausende oder hunderttausende Tonnen Karton, die verbrannt werden. Diese Abfallmenge könnte auf einen Drittel reduziert werden.

Das ist aber schlecht für den Versandhändler, weil er nicht mehr vollautomatisch verpacken kann. Es ist auch schlecht für den Schachtelfabrikanten, den Rohstoffhändler und so fort.

Aufgabe: Schreibt die bekannten Versandhäuser an, welche solche Einweg-Kartons verwenden, macht sie auf die Problematik aufmerksam und bittet um konkrete Vorschläge, wie das Versandhaus die Situation verbessern möchte. Lasst Euch nicht abwimmeln mit Sprüchen wie "Haben wir ja CO2-kompensiert". Besser und ehrlicher als Kompensieren ist Vermeiden.

Beispiel 2:

Jeder kennt die niedlichen Schokolade-Marienkäfer, die in bedruckte rot-schwarze Folie eingewickelt sind. Das Ganze wird an der Unterseite zusammen mit den 3 Beinpaaren und Fühlern zugeklebt.

Diese Beine waren früher aus schwarz bedruckter Pappe, die gestanzt und manchmal auch geprägt war. Heute sind die Beine aus Plastik. Natürlich ist das nur wenig gemessen an der Welt.

Aufgabe: Mache die Hersteller ausfindig und schreibe Ihnen einen Brief auf Papier. Bitte sie um Erläuterung, was die Gründe für die Umstellung waren. Sensibilisiere sie auf die Plastikproblematik.

Aber Achtung: Es kann durchaus sein, dass "Plastikbeine" in der Umweltbilanz besser abschneiden als "Pappbeine". Behalte dies bei Deinem Schreiben im Hinterkopf, und Du wirst eine korrekte Antwort bekommen. Manchmal geht es nur darum, Leute empfindlich zu machen für die Umwelt.

Beispiel 3:

Jetzt eine etwas anspruchsvollere Situation:

Die Politik diskutiert über eine Preiserhöhung für Flugbenzin. Damit nicht mehr so viel geflogen und so die Umwelt sauberer wird. Niemand hat gern Preiserhöhungen – deswegen wird die Diskussion auch in der Bevölkerung meist gehässig geführt.

Es belastet mich, dass niemand die Weitsicht besitzt, das Problem anders anzugehen. Denn es gibt nicht nur eine einzige Lösung - oder gar keine. Man kann eine Forderung auch positiv formulieren und eine win-win-Situation herbeiführen. Meine Idee: Statt Preiserhöhungen zu diktieren (was bei diesem Thema an sich nicht falsch ist), könnten die Fluggesellschaften freiwillig einen anderen Weg wählen, nämlich könnten sie jeden Flugpassagier verpflichten, einen festgelegten Betrag zu bezahlen, mit dem dann die Aufforstung eines Bäumchens bezahlt wird. Und gleichzeitig müsste die Fluggesellschaft ebenfalls ein Bäumchen pflanzen. Dann gäbe es irgendwo auf der Welt neue Wälder: Einen Swiss-Wald, einen Air-France-Forêt, einen Qantas-Wood. Klar: Es wird nicht das gesamte ausgestossene CO2 durch solche Pflanzungen absorbiert – und Bäume produzieren in ihren ersten 10 bis 12 Lebensjahren rechnerisch CO2 (Quelle), statt dass sie es aufnehmen (Senke). Aber es würde ein Signal gesetzt, und die Menschen würden mit einem Lächeln die 20 oder 50 Euro ausgeben und sich wundern, warum sie nicht selbst auf die Idee gekommen sind. Mit dieser Aktion pflanzt man nicht nur ein Bäumchen, sondern auch positives Denken, das uns allen ja ziemlich abhanden gekommen ist.

Aufgabe: Schreibe zusammen mit Kollegen eine Fluggesellschaft an. Recherchiere aber vorher genau den richtigen Ansprechpartner. Formuliere diese Idee und warte auf Antwort. Wenn Dir die Antwort nicht gefällt, schreibe nochmal einen Brief.

 


Abgesehen von alledem: Beteiligt Euch an Politik. Stellt Euren Lokalparlamentarieren klare Fragen. Recherchiert vorgängig unbedingt und eingehend zum jeweiligen Thema - sonst nimmt man Euch nicht ernst. Dokumentiert Eure Arbeit. Verbeisst Euch in Themen, die auch was abwerfen. In der Entwicklungshilfe kann man manchmal einen Franken zielgerichtet investieren, und der Erfolg oder die Wertschöpfung beträgt fünf Franken oder auch viel mehr. Umgekehrtes Negativ-Beispiel: Bei den zuckergefüllten Schokolademäusen kann man das Aluminiumfädelein aus dem Schwanz ausdrehen, einige sammeln und dann mit dem Auto zur Sammelstelle fahren: Diese Bilanz dürfte um den Faktor 10'000 im negativen Bereich liegen. Zudem ist auch Zeit ein Wert.

 

 

 
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