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Attentäter

09.11.2022

Yamaha machte es an einem seiner Motorroller vor vielen Jahren vor: Wird die Scheinwerferbirne defekt, kann man diese nicht auswechseln – es sei denn, man kaufe gleich den ganzen Scheinwerfer komplett neu. Je nach Alter des Rollers stellte sich dann tatsächlich die Frage, ob man statt der Glühbirne nicht lieber das ganze Motorrad ersetzt.

Zwei oder drei Jahrzehnte später. Die Welt ist seither schon gefühlte fünf mal untergegangen, die Natur liegt multiverseucht im Sterben, und aus Verzweiflung oder eher wegen einer Doktrin kleben sich Leute auf befahrenen Strassen fest oder beschädigen weltberühmte Gemälde, weil diese ja „Öl“ in der Farbe enthalten. Öl ist böse. Oder wird aus alter Kunst (Sonnenblumen) vermittels externer Zutaten wertgesteigerte neue Kunst? „Sonnenblumen in Tomatensuppe“? „Kartoffelbrei auf Heuschober“ – je nach Kunstrichtung könnte sogar die Anschlagsmaterie das einzige sein, das man auf Anhieb erkennt. Why not.

Gut – das mit Yamaha war früher. Da waren unsere inzwischen erwachsenen Kinder noch gar nicht angedacht. Seither ist also alles besser geworden. Ist es doch?

Man kauft im Jahr 2022 (70 Jahre nach Daniel Düsentrieb) bei Migros Deckenleuchten ALBA für die Innenanwendung. Das Glas der Lampenabdeckung ist dermassen dünn (gottlob ist es Glas und nicht Plastik), dass es ohne Zutun nach wenigen Stunden oder Tagen springt (allein durch die Spannung der Haltevorrichtung) und abstürzt. Die Migros sehen darin keine Gefährdung für Kinder und andere Lebewesen: Das Zeug sei schliesslich geprüft. Und das sei auch sowieso die erste Beanstandung. Dabei gibt es bei den Bewertungen zu diesem Produkt eine ganz ähnliche Reklamation. Nebenbei: Die Kommunikation von Migros und deren Robotern ist in einem solchen Zustand, dass man mehrere E-Mails schlichtweg für Phishing oder Spam hält. Da ist nicht wirklich viel betreut bei.

Nun geht es um Ersatz dieser chinesischen Konstruktionsfehler. Man wird fündig bei Eglo, Typ Frania. Eine dieser Leuchten hatten wir vor einigen Wochen schon montiert und sie hält immer noch. Beim Nachbestellen lesen wir genauer und werden stutzig: Das Leuchtmittel ist nicht austauschbar: Ist es defekt, muss auch gleich die ganze Lampe (chinesischer Herkunft) abmontiert und mitentsorgt werden. Der Händler teilt auf Anfrage aber mit, dass das Leuchtmittel von einem Elektroinstallateur ausgetauscht werden könne. Kostet dann wohl wieviel? Also ist Wegwerfen billiger…

Kleiner Trost: Diese Sie-können-die-Glühbirne-nicht-selber-austauschen – Lampen sind grundsätzlich auch bei anderen Anbietern (zBsp Coop/Livique) voll in Mode. Wir sind im Jahr 2022 also soweit, dass wir per Annonce eine Lampe mit austauschbarem Leuchtmittel suchen müssten: Eine weitere gigantische Beschädigung unser aller Zeitressourcen und somit der Volkswirtschaft.

Da werden wir momentan mit Prospekten und Werbespots zugeschüttet, dass es bald keinen (oder zuwenig) Strom mehr geben könnte – und wie wichtig es sei, LED-Beleuchtung einzusetzen statt konventionellen Leuchtmitteln. Dass da fast jedesmal noch die komplette Lampe mitentsorgt wird (bisher gekaufte LED-Leuchten hielten ausnahmslos nur einen kleinen Bruchteil der geprahlten Lebensdauer), interessiert in der organisierten Panik, vor und nach selbiger niemanden der nationalen nine-to-five Energie- und Umweltstrategen.

Bei der Suche nach anderen Leuchtkörpern treffen wir auf den Shop von lumenstar. Setzt man den Filter auf „Verfügbarkeit/Sofort lieferbar“, wird als Resultat angezeigt: „Kein Lagerbestand“.

Jeden ein!zel!nen! Tag – und das seit Jahren – schlagen wir uns mehrfach mit nichtfunktionierenden Shops, ignoranten Lieferanten oder neudefekten Artikeln (Konstruktionsfehler) herum. Auch mit ebensolchen Zahlungsdienstleistern.

Oder ein Bekleidungsshop: Beim Bezahlversuch mit Klarna „muss die gewählte Währung mit der offiziellen Währung Ihres Rechnungslandes übereinstimmen“. Fragt man den Shopbetreiber, wo man das im Shop umstellen könne, erfolgt als Antwort: „Wir würden Sie aus diesem Grund bitten, sich direkt mit Ihrer Bank in Verbindung zu setzen.“ Ja nee, is klar: Meine Bank programmiert den Shop des Bekleidungsverkäufers, und meine Bank ändert auch täglich mehrmals die Währungen aller Länder dieser Erde – je nach dem, wer gerade ein Hemd kaufen möchte.

Und die Menschheit glaubt im Grossen und Ganzen – und da ist besonders auch die Politik mitangesprochen -, mit dieser totalen Ignoranz liesse sich genug erwirtschaften, um überleben zu können.

Ja – natürlich funktioniert diese Gleichung: Man muss sie nur mit dem Term „Ausbeutung“ ergänzen.

 

 
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