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Umstellung Telefonie auf VoIP

23.11.2017

Früher war Telefonieren recht umständlich:

Man besorgte sich aus dem Telekom-Laden einen Apparat oder bekam ihn zugeschickt, steckte ihn in die Wandsteckdose und konnte telefonieren. Nur schon 20 Telefonnummern im Speicher zu haben, war lange Zeit zwar nicht Luxus, aber doch schon ziemlich 'mega'.

Heute ist alles einfacher geworden. Man benötigt nur noch:

  • einen neuen Router, der auch gleichzeitig neuer Stromverbraucher ist.
  • einen kostenpflichtigen Telefoninstallateur, um die verschiedenen gebäudeseitigen Zuleitungen zuzuordnen.
  • ein bisschen Netzwerk- und Computerkenntnisse, um dem Router die richtige IP-Adresse zuzuweisen, den DHCP-Bereich neu festzulegen, verschiedene Konfigurationen einzustellen. Natürlich kann man sich den Aufwand und Ärger sparen und bestellt den Informatiker oder 'Teliföönler' ins Haus. Kostenpflichtig.
  • ein käuflich zu erwerbendes IP-Eco-DECT-Telefon, das ebenfalls erst mal am Router eingestellt werden will. Natürlich ist dies auch ein Stromverbraucher.
  • allenfalls ein IP-fähiges Tischgerät (kostenpflichtig), welches zwar kein Netzteil besitzt (wohl aber einen Stromversorgungseingang). Als dümmster anzunehmender User (DAU) stellt man dann fest, dass das passende Netzteil vom Hersteller zwar dringend vorgeschrieben ist (dieses - keinesfalls das eines anderen Herstellers!), aber dem Telefongerät gar nicht beiliegt. Es kann auch nicht bestellt werden, da der Lieferant es nicht im Sortiment führt. Der Hersteller hat glaub ich ebenfalls keines im Sortiment...
  • anstelle des Netzteils kann aber auch ein Netzwerk-Switch verwendet werden. Juhuii - Switches habe ich in grosszügiger Anzahl im ganzen Haus verbaut, und ich habe sogar noch zwei originalverpackte vorrätig. Doch halt: Es muss ein PoE-Switch sein - also 'Stromversorgung über das Netzwerk'. Gut, kein Problem: Ich besuche die Website



    eines Lieferanten und suche mir einen raus, der (eventuell) geeignet ist. Kostet nur zwischen 50.- und 60.- CHF. Plus CHF 9.- für Kleinmengenzuschlag. Auch dieser Switch ist ein neuer Stromverbraucher. Bloss nicht vergessen: gleich ein zusätzliches Netzwerkkabel mitzubestellen (ich habs dann tatsächlich doch vergessen...).
  • das Tischgerät will natürlich auch noch konfiguriert werden (Subnetzmaske, Standardgateway), was aber insgesamt für technikaffine Poweruser ein Klacks ist – oder doch nicht? Um das Tischtelefon am Router anzumelden, muss ich am Telefon einen Code eingeben und ihn bestätigen. Nach einigen Versuchen (was genau ist eine 'Verbindungstaste'?) suche ich im Internet und stelle fest, dass bei IP-Telefonen eben keine Bestätigung über das Telefongerät möglich ist. Ist das der Sinn der Einführung der IP-Telefonie? Echt jetzt? Ich habe den dritten Versuch vermasselt und werde für 60 Minuten gesperrt. Es ist 23:30 Uhr. Wenn die 60 Minuten um sind, kann ich es erneut versuchen, dann muss ich aber für die Bestätigung die WLAN- oder DECT-Taste am Router - der 2 Stockwerke höher platziert ist - 1x drücken, dann wieder 2 Stockwerke runterlaufen und am Computer auf 'Übernehmen' klicken. Die 'Verbindungstaste' scheint laut Internetsuche das grüne Hörer-Symbol zu sein, das es auf einem Tischgerät nicht gibt. So: das Telefon wird mittlerweile im Netzwerk erkannt und im Router ist es ebenfalls aufgeführt - bloss telefonieren oder sich anrufen lassen geht nicht. In der gedruckten Konfigurationsanleitung gibt es ein Kapitel 'Kontoeinstellungen'. Ich hangle mich am Interface zu diesem Menuepunkt: Viele leere Felder sind vorhanden - die meisten harren wohl darauf, dass sie ausgefüllt werden. Der Hersteller hat das Feld 'Passwort' bereits mit '••••••••' vorausgefüllt, was bei mir noch mehr Unsicherheit auslöst. Was ein 'SIP Server 1' (und 2) sein soll, was einzutragen ist, welcher Server Host gemeint ist, das weiss ich alles nicht. Die Anleitung schreibt, dass dies von ITSP bereitgestellt wird. Wird es aber nicht - wenigstens nicht automatisch. Immerhin zeigt eine Internetsuche, dass ITSP für 'internet telephony service provider' steht. Anhand der englischsprachigen Suchresultate dämmert mir, dass mein eigener Internetanbieter diese Informationen zur Verfügung stellen müsste. Eigentlich logisch (schäm). Rasch eingeloggt - und siehe da: Fast alles vorhanden. Was beim Telefonhersteller Yealink der 'User Name' (Benutzerkonto des VoIP Service Providers) die Entsprechung bei meinem Internetanbieter ist, weiss ich nicht. Ich knipse mal überall herum und entscheide mich für 'Zugangsnummer'. Dank copy+paste ist diese Nummer schnell übertragen. Jetzt nur noch auf 'Bestätigen' klicken - und dann muss ich mich wieder im Menue anmelden, da wahrscheinlich die Zeit abgelaufen ist. Anmelden ist kein Problem, aber alle schon vorgenommenen Eingaben sind natürlich wieder weg. Das passiert gleich mehrmals. Und überhaupt: Die Begriffe meines Internetanbieters korrespondieren nicht mit denen des Telefonherstellers, es ist also viel Fantasie gefragt. Inzwischen meldet es mich freundlicherweise nicht mehr ab, doch kommt nun die Information, dass das Registrieren fehlgeschlagen ist. Wenn ich nur wüsste, weshalb. Es hat ja noch andere Zahlenreihen, die ich eingeben kann. Der Registrierungsstatus lautet: 'Registriere'. Jetzt aber rasch einen Screenshot machen und abspeichern! Allerdings vermisse ich auf dem Display des Telefongeräts das entsprechende Icon. Wie lange dauert wohl so eine



    Registrierung? Gut, es tut sich wirklich einfach nichts. Ich probiere die Konfiguration noch direkt am Telefon. Scheinbar auch erfolglos. Was muss ich denn noch alles drücken? Da fällt mir die Taste 'Neustart' auf. Als alter Windows-User erinnere ich mich sofort wieder: 'In der Not hilft ein Boot' (Neustart). Immerhin wird am Telefon jetzt ein Icon angezeigt. Telefonieren kann ich immer noch nicht - das ist jetzt wohl der 5. Tag, an dem unser Geschäftsanschluss nicht funktioniert. Nächster Tag, neue Versuche: Was ist ein STUN-Server und wird der entsprechende Eintrag benötigt? Auf welche Art sollen die Daten transportiert werden (Protokoll)? Im Internet suche ich nochmals ausgiebig nach Lösungen. Alle Einstellungen spiele ich nochmal in allen Varianten durch. Nichts tut sich. Dann schicke ich eine E-Mail an den Provider und bitte um Unterstützung. Die Antwort folgt tags darauf, aber das ist noch nicht die Lösung. Weitere Stunden werden mit Tüfteln verbracht, wieder folgt Internetsuche, und youtube-Anleitungen werden konsultiert. Mittlerweile ahne ich, dass das Telefon intern angemeldet werden muss. Deswegen stelle ich im Telefonmenue die DNS-Einträge auf die Default Gateway-Werte. Die Werte für Register-Name und User-Name stelle ich auf die internen Anmeldenamen des Tischapparates. Und schon geht es! Die Hinweise in der Eingabemaske auf die SIP-Teilnehmer-ID sowie das Benutzerkonto des VoIP-Service Providers (welches es laut Supportangaben zwar gibt, es aber nicht verknüpft ist), sowie die sip-Adressangaben waren unnütz und irreführend. Und der Hinweis, dass der Outbound Proxy-Server nicht zu aktivieren sei, war ebenso falsch: Hier gehören ebenfalls die Default Gateway-Werte eingetragen. Die sehr wenigen Instruktions-Zeilen im Handbuch des Apparates waren in unserem Fall wenig hilfreich.

Am 7. November 2017 begann die Umstellung, die an sich recht unkompliziert war. Ziemlich genau 7 Tage später ist dann endlich der fragliche Tischapparat eingebunden und funktionsfähig. Genauso lange waren wir unter dem Geschäftsanschluss nicht erreichbar. Daran stören sich aber bestimmt nur spiessige Kleinbürger, die globale 'Alles-wird-gut' - Optimierungs-Interessen nicht verstehen wollen.

 

Und die paar Dutzend abgespeicherten Nummern aus den alten Geräten neu zu erfassen - was macht das schon. Dafür wurden Wochenenden und Nachtarbeit schliesslich erfunden.

Wer grad noch den Provider wechselt und die Kündigungsfrist nicht beachtet hat, zahlt dafür noch 6 Monate weiter - also solange doppelt.

Und wer nicht aufpasst, dem drückt swisscom wegen 'vorzeitigem Ausstieg aus dem Vertrag' ganz ungeniert die Abschlussrechnung aufs Auge. Dank Konsumentenschutzorganisationen und ihren Publikationen wissen wir, dass bei einer wesentlichen bzw. erheblichen Änderung des Vertrags die Kündigungsfrist nicht verbindlich ist. Es ist bedenklich, dass staatsnahe Betriebe die Kunden voll an die Wand laufen lassen und abkassieren ohne Ende. Bei einem Telefonat mit swisscom flehte die Telefonistin, dass wir doch nicht zu Anbieter xy wechseln sollten, und - falls schon geschehen - wir dies ja widerrufen könnten. Eigentlich bin ich ein Gegner der Liberalisierung der Grundversorgungsmärkte wie Post, Telekom, Bahn, Strom: Doch wenn man fortwährend abgezockt wird, fängt man an umzudenken.

So, jetzt habe ich alles zusammen. Um ehrlich zu sein: der Router war gratis, er ist vorkonfiguriert und ausserordentlich bedienerfreundlich - die Menueführung ist durchwegs in einwandfreiem Deutsch. Der neue Provider hat jede meiner penetranten Fragen kurz, technisch höchst korrekt - also hilfreich - und freundlich beantwortet. Die Umstellung wurde uns insgesamt so einfach wie möglich gemacht. Zudem hatten wir Glück: Die Nummernportierung hat gut geklappt und wir waren deshalb bloss einen halben Arbeitstag offline. Bei anderen muss es heftiger gewesen sein.

Wieviel Plastik zusätzlich verbraucht wird, wieviel Funkstrahlung jetzt auf uns einwirkt, wieviel Energie für die Produktion des ganzen Technikwaldes benötigt wurde, und wieviel Strom unser Haushalt künftig zusätzlich verbrauchen wird, interessiert vermutlich nur wenige der Befürworter der 2000-Watt-Gesellschaft oder der Umwelt- bzw. Klimaschützer. Regierungen interessiert das schon gar nicht. Regierungen sind Handlanger, die Forderungen zum Nachteil des Volkes in Gesetze kleiden lassen.

Wieviel Zeit der Einzelne damit vertan hat, sich grundsätzlich mit der Materie der neuen VoIP-Technologie vertraut zu machen, seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu planen, die Angebote der verschiedenen Telekom-Anbieter auf deren mehr oder weniger intelligent aufgebauten Websites zu studieren (ausgerechnet bei swisscom wurde trotz dreimaliger intensiver Suche nicht das Gesuchte gefunden, und die swisscom-Antwortmails waren in Outlook 2003 überhaupt nicht zu lesen, zu öffnen oder weiterzuleiten), sich in den ganzen Technikwirrwarr einzulesen, Papierkram auszufüllen usf - das kann man nur ahnen und hochrechnen. Diese ganze Umstellung hat uns zusätzlich vom Erwerb abgehalten. Aber egal.

Neue Hardware und Zeitaufwand: Der Volkswirtschaft (Private, KMU und Industrie) wird ganz schön was zugemutet. Reichen für unser kleines Land 2 Milliarden CHF? Oder sind es eher 4 oder 5 Milliarden? Vollkostenrechnungen macht keiner gerne - bringen sie doch die Wahrheit ans Licht.

Ist die neue Technologie – läuft sie erst mal - zwar höchst komfortabel, so verliert man damit allerdings eine Redundanz. Zudem hat die alte Technologie samt Hardware einwandfrei funktioniert, und sie hätte es noch sehr, sehr lange.

Fragen zu den neu entstehenden Müllgebirgen stellt man besser nicht. Und ob die Gesprächsqualität nicht doch etwas schlechter geworden ist, muss ich noch testen. Früher – also im letzten Jahrtausend – haben Telefongespräche manchmal geklungen, wie wenn sie bei Sturm über Freileitungen durch die Alpen oder über Kupfer durch den Atlantik geführt worden wären. Momentan klingen sie, wie wenn die einzelnen Datenpakete im Millisekundenbereich nicht sauber synchronisiert wären. So ähnlich kam man sich als Mittelwellenhörer vor, und die VoIP-Telefonie erinnert mich somit an die allgegenwärtigen Phasenverschiebungen von einst.

 

 
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