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Oh je oh je oh je!

26.07.2018

Wie weiter mit dem Rheinfall? Doch noch sprengen? Oder wenigstens punktuell verschandeln? Gewinnbringend zubetonieren?

Ein Kanton sucht seinen Weg. Noch immer.

Der Zeitung (shaz) war am 21. Juni 2018 aus einem umfassenden Bericht zu entnehmen:

„Die Betriebsgesellschaft [Anm: Rheinfall Betriebs AG] hat es schwer, viele Rheinfallbesucher konsumieren nichts. Wir versuchen, ihnen entgegenzukommen, wo möglich“ (Kantonsbaumeister Mario Läubli).

Na, da fragt man sich als Leser doch gleich zwei Dinge:

  • Warum setzt sich das ‚Entgegenkommen‘ – obwohl vordergründig gegenteilig kommuniziert – eindeutig über die Schutzzonen hinweg? Einsehbar für jeden Menschen mit Internetanschluss im gis.sh.ch.
  • Gibt es eine internationale Touristenverschwörung, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Rheinfall zwar anzuschauen – also optisch abzunutzen -, aber möglichst wenig zu konsumieren?

Wo Fragen sind, gibt es auch Versuche von Antworten. Bei Punkt 1 lautet eine: In der gehobenen Höflichkeitsform lässt sich solches Vorgehen als ‚Vetternwirtschaft‘ bezeichnen.

Für eine Antwort zu Punkt 2 hilft eine Begehung des Objekts. Es fallen dem Besucher – nebst der majestätischen Schönheit des Rheinfalls und seiner Umgebung – insgesamt gleich mehrere Dinge auf:

  • Endlich ist es dem Besucher möglich, sich vor Ort sinnvoll zu verpflegen. Das war zuvor jahrelang ein inakzeptabler und gravierender Missstand.
  • Es sind am Rheinfall nicht nur holländische Touristen anzutreffen. Diesen sagte man vor vielen Jahren nach, sie würden sich auf ihrem Weg ins Urlaubsziel Italien ihre Butterbrote in Utrecht schmieren, dann mit ihren Wohnanhängern durchbrettern bis Altdorf, dort die Butterbrote essen, nichts kaufen, gratis Klo benutzen, Abfall liegen lassen – und weg war’n sie.
  • Konsumieren ist dann einigermassen schwierig, wenn man zuvor das Angebot anschauen will: An einem bestimmten grösseren Stand ist der Aushang nicht etwa aussen vor dem Stand angebracht, sondern an der Innenwand der Küche – von aussen verdeckt durch eine zu 80% verschlossene spiegelnde Fensterfront. Man sieht somit weder Angebot noch Preise. Wenn man nahe genug rangeht und gar den Kopf reinstreckt, ahnt man knapp, dass der Stand überhaupt geöffnet haben könnte. Kunden stehen jedenfalls keine an: Der Imbissstand präsentiert sich ja auch wie ‚Wegen keine Lust geschlossen‘.
  • Beim Streetfood-Stand (über der Fledermaushöhle) hat es eine elektronische Anzeigetafel (Bildschirm), die wohl den Aushang darstellt. Nach einiger Zeit schiebt sich eine neue Seite ins Bild. Ja, so geht es weiter, und man weiss nicht, wann der Loop vorbei ist und es wieder von vorne beginnt. Vergleichen? Aussuchen? Anstrengend, besonders wenn man aus Platzgründen von der Seite her blicken muss.
  • Vielleicht liegt das ‚Schwerhaben‘ doch auch an den Preisen: Lieber verkauft man 5x keine Pommes und 1x Pommes zum Sehrhochpreis, statt 6x zum Normalpreis. Und dazu lieber nur 1x Getränke statt 6x. Reicht ja zum Jammern. Was für die einen ein ‚Sehrhochpreis‘ ist, bezeichnen andere als ‚niederschwellig‘.

Dann gibt es aktuell eine weitere Debatte: Man überlegt sich, ob man die Touristen zum erweiterten Fussmarsch zwingen will (ca zusätzlich 2x 650 Meter). Nur schon die Wortwahl hat es in sich. Ist die Idee vordergründig auch logisch und verständlich. Dümmer geht’s trotzdem nümmer: Kaufen die Inder (und Holländer hoffentlich) dank des Fussmarsches tatsächlich die Neuhauser Läden leer (Rolex, Ravioli, Rimuss, Rheinfallfelsen aus Kunststoff made in India), schleppen alles zu Fuss zum Rheinfall (kaufen dort umso weniger, lassen aber mehr Verpackung liegen), und dann wieder zu Fuss zurück? Oder doch nicht? Steuertechnisch dürfte es aufs selbe hinauslaufen, ob Touristen ihr Geld in Neuhausen-City oder in Neuhausen-Rheinfall liegenlassen.

Man kann jetzt aufgebracht sein über das Verhalten der unverständigen, nicht anpassungsfähigen ausländisch sprechenden Touristen – die in weiten Teilen der Schweiz sowieso bloss noch Störfaktor sind -, und man kann sich ärgern darüber, dass irre Fledermausschützer den 'Miss-Stand' mit der vielfachen Zonenverletzung (Bauherr: Kanton Schaffhausen…) öffentlich gemacht haben und damit Filz und Behördenignoranz thematisieren. Bloss eines kommt bei den ‚es Schwerhabenden‘ eher nicht in Frage: Eine Selbstreflexion. Diese basiert auf „unmittelbarer Vernunfterkenntnis“ und „innerer Selbstbeobachtung“. Diese Eigenschaften verlangen einem naturgemäss einiges mehr ab als die Ausübung von Gewalt.

Spannend wäre es für Marketingfachleute zu wissen, wie sich die Mehrzahl der Rheinfallbesucher verhält, woher sie kommt, für wie lange sie sich aufhält - und das zu welcher Jahreszeit. Sind die ausländischen Touristen auf einem 12 Stunden-Trip Rheinfall, Niederdorf, Kapellbrücke, Rigi-Kulm, Tellsplatte, Gotthardpass, Melide? Oder ist der Rheinfall Tagesziel? Zu welcher Jahreszeit kommen vermehrt einheimische Touristen mit Familie? Am Arlberg oder in Ostfriesland sind die dortigen entsprechenden Daten den Tourismusverantwortlichen bekannt: Touristenströme können bedarfsgerecht bewirtschaftet werden. Und die Gastgeber dort lächeln sogar manchmal.

Wer schon nicht die eigenen Betriebe, die Grundsäulen der Werbung oder die Bedürfnisse der Touristen versteht, der kann für Zonenpläne, Mitmenschen, Bevölkerung und Umwelt nur Verachtung übrig haben.

Ein sensationelles Naturdenkmal wie der Rheinfall eines ist, verdient eine durchdachte und umfassende Bewirtschaftung. Bis dahin wird es aber ein unglaublich langer und steiniger Weg sein: Denn die Kompetenzen selbst der Regierung beschränken sich gerade mal auf Filz, Ignoranz und Gewalt. Konzepte und Analysen wären zu verbindlich, zu anspruchsvoll und somit störend.

In welchem Zustand befindet sich ein Staat, in welchem sich Leute hinter einer nahrhaften Anstellung beim Staat verschanzen und das Rechtssystem unterwandern? Kann ein Problem denn sich selber lösen?

  

 
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